S K.
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Ganz mieser Arbeitgeber
Mit 17 habe ich dort mein 2. Lehrjahr gemacht (in der Ldw ist es üblich in jedem Lehrjahr neue Erfahrungen in einem anderem Betrieb zu machen).
Allein hatte ich die Verantwortung für 120 Milchkühe, einem Bullen und 20-30 Kälber.
Morgens um 5 musste ich anfangen und den Melkstand vorbereiten. Ab 6 kam dann jemand von Familie V. oder Herr G. (der kam meist auch früher) dazu. Meist war die Hilfe dann aber um kurz nach 7 wieder weg (oft kommentarlos einfach gegangen) und ich konnte zuende Melken, den Melkstand reinigen und die Kälber versorgen. Im Winter eine Rutschpartie, da für Salz kein Geld ausgegeben wurde (2013 mit -25 °C). So habe ich mir auch einmal eine Platzwunde am Kopf zugezogen. Herr V. verlangte erst dass ich weiterarbeiten solle, da ich ja ein Mütze drüberziehen könnte.
Um 8.30 gab es dann eine halbe Stunde Frühstückspause, wobei ich die meist abkürzen musste um den Arbeiten hinterher zu kommen.
Danach musste ich die Futterration für die 120 Tiere und die Jungtiere fertig machen (mit einem Schlepper, ständiges an- und abhängen, da Futterzutaten an unterschiedlichen Orten waren), die Kälber einstreuen, altes Futter entsorgen, Tränken reinigen... bis zum Mittag (13 Uhr). Die Mittagspause musste ich in der Regel auch abkürzen, da ich auf dem Rückweg mit dem Schlepper aus dem Nachbarort noch Maissilage mitbringen musste. Danach wurde ich dann mit dem Einstreuen der Liegeboxen beauftragt, Maschinenwartungen, Hof und Siloplatz fegen, Schlepper reinigen und abschmieren... selten durfte ich mal aufs Feld, dafür reichte die Zeit in aller Regel auch nicht. Genießen konnte ich diese seltenen Gelegenheiten also nicht.
Gegen 14.30 musste ich auch die Kühe wieder von der Weide holen, da ich spätestens um 15.30 bereits wieder am melken sein musste. Nachmittags kam nicht immer jemand um mich zu unterstützen, daher dauerte der Melkvorgang und die Kälberversorgung auch schonmal bis 19 Uhr. Manchmal musste ich danach sogar noch bleiben, wenn der Tierarzt kam oder Erntezeit war. So ging das 5-7 Tage die Woche (es gab nur jede zweite Woche Wochenende).
Zudem habe ich für eine Unterkunft ohne Heizung oder Dämmung und Frühstück, sowie Mittagessen bis auf 180 € meinen gesamte Vergütung lassen müssen. In der Unterkunft gab es lediglich ein paar Ölradiatoren zum Heizen. Wärend meiner Abwesenheit (Berufschule) ist die Familie V. sogar in die Wohnung (nur durch mich bewohnt) eingedrungen und hat die Ölradiatoren ausgestellt. Es hat 2 Tage gedauert, bis die Wohnung wieder Temperatur hatte, bis dahin musste ich Nachts frieren.
Insgesamt haben sich so fast 1000 Überstunden in einem dreiviertal Jahr angesammelt, bevor ich mich getraut habe einen Schlusstrich zu ziehen. Beim Versuch diese Stunden einzuklagen, hat Herr V. plötzlich behauptet, nachdem ich einmal bei ihm Zuhause gegessen hätte, hätten 50 € gefehlt. Diese Geschichte war mir vollkommen neu und da Herr V. nicht besonders dahinter stand (vll. doch noch ein Gewissen), hat der Richter es direkt für nichtig erklärt.
Letztlich war es eine Erfahrung, die ich keinem Anderen wünsche. Die Arbeit wurde bei diesem Betrieb auf dem Lehrling ausgetragen und mit lehren hatte das nicht viel zu tun.
In anderen Jahren gab es 3 Azubis, aber auf Nachfrage sagte man mir nur: "Drei schaffen auch nicht mehr als einer, die quatschen dann halt mehr miteinander."